KI verändert nicht nur die Art und Weise, wie Beratungsleistungen erbracht werden, sondern auch die Sichtweise der Auftraggeber auf diese Unternehmen.
Der Markt befindet sich noch in einer Übergangsphase: Die Einführung schreitet schnell voran, doch die Umsetzung in konkrete wirtschaftliche Auswirkungen ist noch nicht überall gelungen. In einer breit angelegten Umfrage von Thomson Reuters unter Anbietern professioneller Dienstleistungen gaben 22 % der Unternehmen im Jahr 2025 an, GenAI bereits aktiv zu nutzen – gegenüber 12 % im Jahr zuvor. Gleichzeitig erwarten 95 %, dass GenAI innerhalb von fünf Jahren eine zentrale Rolle im Arbeitsablauf spielen wird, während nur 20 % angeben, dass ihr Unternehmen den ROI von GenAI tatsächlich misst.
Für Beratungs- und Digital-Transformation-Unternehmen hat dies grundlegende Auswirkungen. Der Wert des klassischen „Stundenhonorar“-Modells gerät unter Druck, sobald Kunden erwarten, dass KI einen Teil der Analyse, Dokumentation, Konfiguration und Umsetzung beschleunigt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Nachfrage nach Beratern zurückgeht. Im Gegenteil: Accenture stellt fest, dass 98 % der Unternehmen Technologie als wichtigsten Hebel für die Neugestaltung betrachten, und 82 % nennen generative KI mittlerweile als einen der wichtigsten Treiber dafür. Die Nachfrage verlagert sich also von reiner Kapazität hin zu Akteuren, die KI in ein funktionierendes Betriebsmodell, Governance, Veränderungsprozesse und messbare Geschäftsergebnisse umsetzen können.
Im M&A-Kontext verschiebt sich damit auch das Investitionsprofil dieser Unternehmen. Ein Käufer achtet weniger auf die reine Mitarbeiterzahl und die Abrechnungsfähigkeit und mehr darauf, ob ein Plattform-Beratungsunternehmen eigenes geistiges Eigentum, Accelerators, branchenspezifische Anwendungsfälle und ein nachweislich KI-gestütztes Liefermodell aufgebaut hat. Das ist nicht nur eine Frage des Umsatzes, sondern auch eine Frage der Marge und der Skalierbarkeit. McKinsey geht davon aus, dass Unternehmen im Jahr 2025 vor allem Kostenvorteile durch KI in den Bereichen Softwareentwicklung, IT und Fertigung ausweisen werden, während die allgemeinen Auswirkungen auf das EBIT auf Unternehmensebene noch begrenzt bleiben. Dies deutet darauf hin, dass der eigentliche Wertzuwachs vor allem bei denjenigen zu verzeichnen ist, die KI bereits operativ integriert haben, anstatt sie nur experimentell einzusetzen.
Hinzu kommt eine zweite Ebene: die Unternehmensführung. In derselben Thomson-Reuters-Studie geben 52 % der Befragten an, dass ihr Unternehmen über keine GenAI-Richtlinien verfügt, und 64 % sagen, dass sie keine Schulung erhalten haben. Für Käufer und Investoren wird dies zu einem konkreten Punkt bei der Due Diligence. Beratungsunternehmen, die KI ohne klare Rahmenbedingungen in Bezug auf Daten, Sicherheit, Output-Kontrolle und Haftung einsetzen, schaffen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken.
Wir gehen daher davon aus, dass KI in der Beratungsbranche nicht zu einer bloßen Kommodifizierung der Arbeit führt, sondern vielmehr zu einer schärferen Trennung zwischen Gewinnern und Verlierern. Die Gewinner sind diejenigen, die KI nutzen, um die Projektabwicklung zu industrialisieren, ohne dabei den menschlichen Teil der Transformation – Veränderungsmanagement, Branchenverständnis und Beratung der Führungskräfte – zu untergraben. Genau diese Art von Unternehmen wird in den kommenden Jahren das größte strategische und Private-Equity-Interesse auf sich ziehen. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus den Einführungszahlen, der derzeit noch begrenzten ROI-Messung und der Betonung, die große Beratungshäuser auf KI als Motor der Neugestaltung legen.