Private Equity ist nach wie vor eine der wichtigsten Triebkräfte hinter den Transaktionen im IT-Bereich, doch die Spielregeln haben sich geändert.
Bain beschreibt, dass der Buyout-Markt Anfang 2025 nach wie vor über beträchtliches „Dry Powder“ verfügt: Das Volumen des nicht investierten Kapitals sank zwar leicht von 1,3 Billionen USD auf 1,2 Billionen USD, doch der Anteil des „alten“ Dry Powder – das seit vier Jahren oder länger ungenutzt ist – stieg auf 24 %. PwC fasst dies treffend zusammen: Private Equity bleibt ein Motor für Transaktionen, agiert jedoch nun in einem Umfeld mit teurerem Kapital, schwierigeren Exits und einer KI-Revolution, die sowohl Chancen als auch Unsicherheiten mit sich bringt.
Gerade im IT-Bereich führt dies dazu, dass Private Equity aktiver und nicht passiver agiert. PwC Niederlande nennt IT, Software und Halbleiter ausdrücklich als Branchen, in denen für 2025 bedeutende Investitionschancen erwartet werden. KPMG geht zudem davon aus, dass Private Equity bei M&A-Transaktionen im TMT-Bereich eine dominierende Rolle spielen wird, gestützt durch Rekordwerte bei den verfügbaren Mitteln und eine flexiblere Private-Credit-Finanzierung, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf Software, Cybersicherheit und Fintech liegt.
Das ist logisch. IT-Assets eignen sich relativ gut für „Buy-and-Build“, Internationalisierung, operative Wertschöpfung und Margenverbesserung. Gleichzeitig beobachten wir, dass Private-Equity-Käufer bei der Auswahl ihrer Ziele selektiver geworden sind. Hampleton stellt im Bereich IT & Business Services fest, dass Käufer bei der Zielauswahl zunehmend disziplinierter vorgehen und nach Plattformvollständigkeit, nachweisbarer Rentabilität, Compliance-Bereitschaft und einfacher Integrierbarkeit filtern. Das deutet darauf hin, dass die Zeit des „Wachstums um jeden Preis“ hinter uns liegt; der Fokus verlagert sich auf Unternehmen, die nicht nur skalierbar, sondern auch professionell führbar und gut integrierbar sind.
Für Unternehmer in der IT-Branche bedeutet dies, dass Private Equity nach wie vor eine sehr wichtige Kapitalquelle ist, dass aber die Argumentation gegenüber Investoren prägnanter sein muss. Eine überzeugende Equity-Story besteht heute weniger aus reinem Umsatzwachstum als vielmehr aus wiederkehrenden Umsätzen, Preissetzungsmacht, Branchenfokus, KI-Potenzial, der Qualität der Managementinformationen und der Glaubwürdigkeit der „Buy-and-Build“-Strategie. Gerade jetzt, da Exits länger dauern können, wünschen sich Fonds bereits beim Einstieg mehr Sicherheit, dass eine Wertschöpfung operativ realisierbar ist. Diese Einschätzung ergibt sich aus Bains Feststellung, dass Dealmaker durch alterndes „Dry Powder“ weiterhin unter Druck stehen, kombiniert mit der Erwartung von PwC und KPMG, dass Private Equity gerade im Technologiebereich weiterhin aktiv bleiben wird.
Kurz gesagt: Private Equity im IT-Bereich verlagert sich vom Financial Engineering hin zur umsetzungsorientierten Wertschöpfung. Das ist vorteilhaft für starke Unternehmen mit Skalierbarkeitspotenzial und weniger vorteilhaft für Akteure, die noch stark von Projektumsätzen, Schlüsselpersonen oder einem zu diffusen Geschäftsmodell abhängig sind.